Meine hier vorgestellten Ideen beruhen auf meinen Erfahrungen als damaliger Patient in einer Psychosomatischen Klinik und auf meinen seit 2009 bestehenden Erfahrungen als Therapeut in eigener Praxis sowie dem Zusammenführen von verschiedenen Fortbildungen – speziell in der Therapie von Traumafolgen aus der Kindheit und körperintegrativer Psychotherapie.

therapeutische Grundlagen

Die Haltung der Achtsamkeit

Achtsamkeit verstehe ich so, wie John Kabat-Zinn und die Ausrichtung von MBSR es lehren. Es ist die Haltung, in der zunächst alle Vorgänge in der Therapie-Sitzung stark verlangsamt werden und der Verstand sowie das Nervensystem zur Ruhe kommen können. Dabei wird zunehmend der Fokus auf die ganzehitliche Wahrnehmung von allem, was im Hier & Jetzt ist, gelegt.

prozessorientierte Psychotherapie

Die Gestalttherapie ist mit ihrem Vorgehen ein gutes Beispiel eines prozessorientierten Vorgehens. Der Klient mit seinen Wahrnehmungen, bestimmt mit seinen aus dem Hier&Jetzt entspringenden Bedürfnissen und Wünschen, Verhaltensweisen und Aktionen weitgehend den inhaltlichen Verlauf einer Therapie-Stunde und nicht die Vorstellungen des Therapeuten, was für den Klienten jetzt wohl am besten wäre und die größten Fortschritte bringen würde. Mit dieser therapeutischen Einstellung begggnen sich Therapeut und Klient auf gleicher Augenhöhe im Sinne eines freundschaftlich-wohlwollenden Zusammenwirkens.

Therapie-Methoden und Interventionen

Aus den beiden vorigen Überlegungen leitet sich ab, dass nur Methoden und Interventionen eingesetzt werden, die mit der Haltung der Achtsamkeit und der prozessorientierten Psychotherapie in Einklang stehen.
Da sich das therapeutische Vorgehen für die Anwendung in der Gruppentherapie eignen muss und nicht alle bekannten Methoden einsetzen lassen, bin ich äußerst gespannt und neugierig darauf, welche Methoden meine Kollegen einbringen – besonders, falls diese schon Erfahrungen mit Gruppentherapie gemacht haben. Gemeinsam werden wir die effizientesten Methoden und Vorgehensweisen heraus finden und darauf basierend, unsere Angebote gestalten.

Wenn etwas entschieden werden muss: dann durch Konsensuierung

Angenommen, wir beraten über die nächsten Termine unserer Treffen. Oder es geht um die Fragen therapeutischen Handelns. Immer sollen Entscheidungen durch das Konsensuieren getroffen werden.
Konsensuieren bedeutet, dass wir keine Mehrheitsentscheidungen treffen bei denen ja alle Stimmen, die anderer Meinung waren, unter den Tisch fallen. Beim Konsensuieren wird mit einer Skala von 0 bis 10 zwischen den verschiedenen Vorschlägen abgestimmt. Null bedeutet: Ich habe keinen Widerstand / keine Abneigung gegen den Vorschlag / die Lösung. 10 bedeutet, ich habe volle Abneigung / vollen Widerstand dagegen. Nach der Abstimmung werden die Zahlenwerte des Widerstands zu jedem Vorschlag zusammen gezählt. Der Vorschlag,gegen den es am wenigsten Widerstand gibt, der wird zum Entschluss. Auf diese Weise trägt jeder mit seinen Stimmen zum Gesamtergebnis bei und jeder wird mit seiner Wahl berücksichtigt, weil jede Äußerung zählt. (Das ist das Prinzip echter Demokratie!)

Ideen für die Gruppentherapie

Bei allen meinen Klienten habe ich erlebt, dass sie in die Therapie kommen, weil ihnen in Teilbereichen ihres Lebens (und manchmal sogar sehr weitgehend) die Selbstwirksamkeit verloren gegangen ist. Aus diesem Empfinden heraus neigen sie dazu, den Therapeuten als Ratgeber oder mindestens in überwertiger Position zu sehen, der ihnen die Lösung für Schwierigkeiten liefern kann. Um diesem Empfinden mangelnder Selbstwirksamkeit ein korrigierendes Erlebnis entgegen zu setzen und zugleich das Prinzip der gleichen Augenhöhe erlebbar zu machen, kam ich auf folgende Struktur, wenn ein Klient in der Gruppe arbeiten möchte:

In der Gruppentherapie stehen immer zwei Therapeuten zur Verfügung – am besten ein Mann und eine Frau. Wenn geklärt ist, wer als nächster in der Gruppe arbeiten möchte, hat der Klient z.B. 2 Minuten Zeit, der Gruppe vorzustellen, woran er jetzt arbeiten möchte. Daraufhin können beide Therapeuten in jeweils z.B. 1 Minute dem Klienten antworten und ihm vorstellen, wie ihre jeweilige therapeutische Vorgehensweise aussieht. Anschließend wählt der Klient einen der beiden Therapeuten aus.
Bei diesem Beispiel gehe ich davon aus, dass nur ein Klient und ein Therapeut miteinander arbeiten. Natürlich sind auch andere Ansätze denkbar, wie sie z.B. in der Aufstellungsarbeit üblich sind. Dann passt meine Idee natürlich nicht.

An jeder Gruppentherapie sollten zum Zweck der eigenen Fortbildung aber auch im Sinne von kollegialem Austausch nach einer Therapiestunde möglichst mehrere weitere Therapeuten teilnehmen.  (In meinem Gruppenraum ist Platz für mindestens vierzehn Teilnehmer.)

Ich bin sehr gespannt auf unsere kollegialen Gespräche und wie wir aus den Erfahrungen und dem Wissen aller im Netzwerk mit arbeitenden Kollegen verschiedene Strukturen und Vorgehensweisen als Standard heraus arbeiten.