Windows 8 - und sensible Patientendaten?

Da stand es also, mein schönes neues Notebook. Ein Medion 17,3" mit Windows 8 vorinstalliert. Windows 7 ist nicht mehr zu bekommen. Natürlich hatte ich mich vor-informiert und über den Klicki-Bunti-Startbildschirm geärgert. Aber Unvoreingenommenheit gehört doch eigentlich zu meinem Beruf als Heilpraktiker der Psychotherapie. „Also gib dem Achter eine Chance!” dachte ich.

Inbetriebnahme und Einrichten

Nach dem Erst-Start richtet sich das Teil selbstständig ein und alles lief glatt. Dann sollte ich Lizenzen zustimmen und schließlich ein Benutzerkonto bei Microsoft anlegen. Wollte ich nicht! Scheinbar versöhnlich erschien der Hinweis, ich könnte doch auch irgend eines meiner bereits bestehenden eMail-Konten mit Passwort angeben. – Hä??? Da könnte Microsoft ja direkt auf mein eMail-Postfach Zugriff haben! Mir gelang es, den Schritt einfach zu überspringen.

Als nächstes sollte ich „Sicherheits-Einstellungen” vornehmen. Ich hätte die voreingestellten wählen können, wenn ich bequem gewesen wäre. Aber ich bin nun mal kritisch und wählte manuell aus. Was ich dort an Auswahlmöglichkeiten serviert bekam, verschlug mir den Atem. Die Standard-Einstellungen hätten Microsoft äußerst weit gehende Möglichkeiten gegeben, auf mein Notebook zuzugreifen, ähnlich wie Google auf mein Smartphone!
Hatte ich mir das Notebook nicht eigentlich genau deshalb gekauft, um meine Daten vor dem zugriff von Google und Co zu schützen? Und nun will Microsoft das Gleiche veranstalten?

Dabei sind die Fragen oft raffiniert formuliert. Immer wird der Vorteil für den Benutzer heraus gestellt und die wahren Hintergründe oder Risiken verschwiegen. Einerseits kann man für den Browser wählen „Do not track”, damit das Surfverhalten auf einer Website nicht verfolgt wird. Andererseits soll man Microsoft die Genehmigung geben, alle Webadressen, die ich eingebe, erst mal darauf zu untersuchen, ob sich dahinter nicht etwas Gefährliches verbirgt. Also bekäme Microsoft ständig und lückenlos frei Haus eine Liste aller Websites geliefert, die ich besucht habe!

Dann solte ich ein Benutzerkonto für mein Notebook anlegen. Klar, kannte ich ja von den bisherigen Windows-Versionen auch schon. Benutzerverwaltung und so. War hier aber anders, denn mir wurde wärmstens empfohlen, das vorteilhafte Microsoft-Benutzerkonto anzulegen statt ein „lokales”, das nur auf dem Notebook gilt. – Ah ja, so geht es dann in die Cloud, ohne dass dem Benutzer die vollen Konsequenzen bei der Frage erklärt werden. Ganz wie bei den Fragen von Google auf meinem Smartphone!

Klicki-Bunti-Startbildschirm – Ergonomie und Effizienz kaputt!

Endlich erschien der berüchtigte Klicki-Bunti-Bildschirm mit den Kacheln und den ganzen „Apps”. Warum die Zusatzprogramme und -Progrämmchen jetzt plötzlich Apps” heißen, ist nur mit der Sehnsucht Microsofts zu erklären, mit Windows auf das erfolgreiche Geschäftsmodell von Googles und Apples Smartphones aufspringen zu können, nachdem man diesen Zug um Jahre verschlafen hat. Warum aber wurde dann keine Spezialversion von Windows entwickelt, für alle Kunden, die so etwas wollen? Statt dessen werden auch Business-Kunden dazu gezwungen, mit einem „Spielzeug-Windows” zu arbeiten.

Natürlich ging ich zuerst daran, den ganze Schrott zu deinstallieren, den mir Medion beschert hatte. Es blieb noch genug Ballast von Microsoft übrig. Während ich meine ersten Gehversuche auf dieser „Bedienoberfläche” machte, erlebte ich, was es heißt, wenn der Schwerpunkt „Spielen und Daddeln” heißt und aller seriösen, gewohnten Arbeitsmittel beraubt zu sein! Etliche Apps oder Progrämmchen nehmen den ganzen Bildschirm ein und haben zum Beenden / Schließen kein Kreuz rechts oben, auch keine Fensterleisten usw. Alt-F4 war daher mein bester Freund!
Kaum wollte ich mit einem Programm oder der Systenmsteuerung usw. etwas tun, flutschte von rechts her ein schwärzliches Overlay mit Bedienelementen hervor, die ich gar nicht wollte. Damit war nicht mehr das aktive Programm im Vordergrund. Um zu diesem zurück kehren zu können, musste ich auf das aktive Programm klicken. Das ging sehr oft schief und ich landete dann auf dem verfluchten Kachelbildschirm, statt an dem geöffneten Programm weiter arbeiten zu können.

Gut dass mir die Funktion Alt-TAB bekannt ist und ich so schnell wieder in das gewünschte Programm wechseln konnte. Aber das Ganze nervte ohne Ende. Vor allem unterbricht und zerstört es den Gedankenfluss. Man nimmt sich vor, eine bestimmte Handlung durch Einzelschritte zu erledigen und ständig furzt einem diese Bedienoberfläche dazwischen. Es ist echt zum Kotzen!

Update auf Windows 8.1

Irgendwann klickte ich auch mal auf die Kachel „Shop”, so heißt das Microsoftsche Pendant zu Google-Play. Dort wurde mir ein kostenloses Update auf Windows 8.1 angeboten. Wie ich aus dem Internet erfahren hatte, soll die Version 8.1 einige „Bedienungsprobleme” der Benutzeroberfläche mildern. Also installierte ich das Update.

Es dauerte schier eine Ewigkeit, bis das fast 100MB große Paket installiert war. Und dann, man glaubt es kaum, ging das Spiel von neuem los: Lizenzen bestätigen und die „Sicherheitseinstellungen” vornehmen. Die bisherigen wurden also schlichtweg nicht (!!!) übernommen. Ob man so Benutzer gefügig machen will, statt sich mit jeder einzelnen Option zu beschäftigen, lieber gleich den Button „weiter” zu klicken und die Microsoft-genehmen Einstellungen festzulegen?
Mir schien es, als ob die die Liste der Optionen noch länger geworden sei. So sollte Bing als Standardsuchmaschine eingestellt werden, die Prüfung auf unbedenkliche URLs im Browser wurde mal wieder empfohlen (wodurch Microsoft und NSA lückenlos über mein Surfverhalten informiert werden) und weiterer gefährlicher Unsinn mehr.

Endlich erschien die Eingabemaske vom (lokalen) Benutzerkonto und ich konnte mich am Notebook anmelden. – Denkste! Statt des verhassten Startbildschirms erschien eine Anmeldemaske für das Microsoft-Online-Konto. Genau das hatte ich doch schon beim ersten Mal nicht haben wollen! Und dieses Mal gab es anscheinend keine Chance mehr, ohne das Anlegen eines Microsoft-Konto oder aber der Preisgabe der eigenen eMail-Adresse weiter zu kommen!

Man muss sich das mal vorstellen: Dieser Scheiß-Konzern namens Microsoft verhindert die Benutzung von Software und Hardware, die ich legal gerade gekauft habe und stellt im Nachhinein weiter gehende überraschende Bedingungen, die erfüllt werden müssen, um diese Software benutzen zu „dürfen”.

Entnervt klickte ich zunächst mal auf den kleinen Schriftzug „Ich bin nicht Clemens”, um mich aus dem Anmeldevorgang heraus zu bringen. Nun erschien wieder der Blanko-Bildschirm, den man mit ESC verscheuchen kann, um auf die Anmeldemaske für das Benutzerkonto zu kommen. Aus Jux versuchte ich daraufhin erneut die Anmeldung. Und dieses Mal gelang sie ohne die dreiste Aufforderung, ein Microsoft-Konto anlegen zu müssen!

Microsoft installiert ohne Rückfrage Apps

Als ich dann aber den Kachel-Startbildschirm sah, wurde mir ganz anders: Microsoft meldete, dass jetzt die Apps installiert würden! – Hä??? Gehts noch?
Ich hatte niemals zugestimmt, dass Microsoft igrgend etwas auf meinem Notebook installiert, ohne mich zu fragen! Und doch: Unaufhaltsam wurde irgendwelches Mistzeug installiert und ich konnte diesen Vorgang weder abbrechen noch sonstwie verhindern! Ich fragte mich, ob dies noch MEIN Notebook ist oder es schon in die Verfügungsgewalt von Microsoft übergegangen ist, so wie ich es ja mit meinem Smartphone erleben musste.

Am Ende war ich um drei dubiose Apps reicher. Die eine zeigte irgendwelche Nachrichten Schnippsel aus den üblichen Lügen-Agenturen dieser Welt, die andere bot Kochrezepte und die dritte… Ach ich weiß nicht mehr: Rechtsklick drauf und unten am Bildschirmrand deinstallieren geklickt und fertig!

Aber dass Microsoft einfach Apps auf meinem Notebook installiert??? Dann könnten die genau so leicht etwas deinstallieren. Und haben letztlich vollen Zugriff auf mein Notebook! Und das ohne ein Benutzerkonto bei Microsoft zu haben.

Windows 8 und 8.1 – keine Datensicherheit mehr!

Ich habe alle mir zugänglichen Sicherheitseinstellungen unter Win 8.1 untersucht. Ich fand keine Möglichkeit, wie ich Microsoft daran hindern kann, auf meinem Notebook Dinge zu tun, die ich nicht möchte! Und damit ist Windows 8 und 8.1 aus Sicht des Datenschutzes für mich untragbar. Falls jemand Möglichkeiten weiß, wie man diese katastrophale Klicki-Bunti-Oberfläche in eine echte Arbeitsfläche wie Windows 7 zurück zu verwandeln und Microsoft daran hindern kann, de facto unbegrenzten Zugriff auf das Notebook zu bekommen, der kann es mich gerne wissen lassen.

Wichtig! Ich bin kein IT-Spezialist. Aber ich schraube und installiere meine PCs immer noch selbst! Mein Wissen um PC-Technik und Windows dürfte weit über dem Durchschnitt von Heilberuflern liegen. Alle hier beschriebenen Effekte und Vorkommnisse sind demnach vor diesem Wissensstand zu sehen und gewiss stellenweise unvollkommen. Und manche meiner Darstellungen mag einem erfahrenen Windows 8 Benutzer ein Lächeln abgewinnen.
Fakt ist jedoch, dass Microsoft auf dem System Apps installiert hat, ohne dass ich gefragt wurde oder vorher meine Zustimmung gegeben habe.
Fakt ist auch, dass das Geschäftsmodell „Windows aufgebohrt mit Apps und App-Shop” offensichtlich mit Google gleich ziehen will und demnach zwangsläufig die gleichen Sicherheitsprobleme auftreten müssen.
Fakt ist, dass Profit und Shareholder-Value der Maßstab aller Dinge ist und Datensicherheit oder Schutz der Kunden oder bedienungsfreundlichkeit usw. nachrangig betrachtet werden.

Meine Lösung für das Problem: Downgrade auf Windows 7

Soeben habe ich mein Windows 7 Professional bestellt. Der Windows 8 Schrott fliegt sofort von meiner Festplatte! Ich bin soooo wütend!
Microsoft will also auf Teufel komm raus auf den verpassten Erfolgszug der Smartphones und Apps aufspringen und verarscht dabei ehrliche Business-Kunden, die mit ihren PCs und Notebooks einfach nur ihre Arbeit tun müssen. Und das auf möglichst effiziente Weise und unter Beachtung des Datenschutzes.
Ich kann nur beten, dass in Windows 7 keine der Hintertüren und Mechanismen enthalten sind, die bei mir mit Windows 8 sichtbar geworden sind. Sicher kann spätestens seit Edward Snowdens Enthüllungen niemand mehr sein, der seinen PC mit dem Internet verbindet / verbinden muss.

Die IT in völliger Abhängigkeit von den USA

Unser aller Problem aber ist, dass es außer Linux keine sinnvolle Alternative für Windows gibt. Und zahlreiche derjenigen Programme, die ich benötige, laufen nicht unter Linux, z.B. die DTP-Programme von Adobe.
Wir haben noch ein weiteres Problem: Inzwischen haben alle teureren Programme und Betriebssystem ein Lizenz-System integriert. In regelmäßigen Zeitabständen nehmen sie Verbindung mit den Lizenzierungs-Servern der Hersteller Verbindung auf und prüfen, ob die Installation legal betrieben wird (und ob Updates vorhanden sind). Wird also ein PC oder Notebook über längere Zeit nicht mit dem Internet verbunden oder (!!!) der Hersteller würde z.B. im Rahmen eines Handels-Embargo aus politischen Gründen die Lizenz-Server blockieren, haben wir alle in kurzer Zeit keine funktionsfähigen PCs oder Notebooks mehr! Ein Wirtschaftskrieg könnte so sehr einfach gewonnen werden.

Sieht man diese Problematik in Verbindung mit dem Druck, den die USA zurzeit ausüben, damit das Transatlantische Handelsabkommen TTIP endlich so abgeschlossen wird, wie sie es wünschen, kann einem schon Angst und Bange werden! Ich sagte schon immer: „Die Achse des Bösen” beginnt in den USA!

Abhilfe ist möglich: OpenSource-Software, Linux und mehr…

Spätestens, wenn für Windows 7 der Update-Service von Microsoft eingestellt wird, werde ich zumindest das Notebook, auf dem ich meine Klientendaten halte und die Praxis-Software läuft, auf Linux umstellen! Raus mit jeglicher amerikanischer Software, so weit irgend möglich!

Sie werden es eventuell kaum glauben, aber mit Ausnahme der Praxis- und der Buchhaltungs-Software ist alles, was Sie für Ihre Praxis benötigen, als OpenSource-Software kostenlos erhältlich! Falls Sie (wie ich auch) noch mit Windows 7 arbeiten, sollten Sie darauf achten, dass bei Umstellung auf Linux Ihre Praxis- und Buchhaltungs-Software auch in einer Linux-Version verfügbar ist. Denn dann brauchen Sie sich nicht nach dem Umstieg an die Bedienung eines neuen Programms zu gewöhnen, denn bei geeigneten Programmen wird die Bedienoberfläche wird ziemlich gleich aussehen und die Funktionalität gleich sein.