Muss man auch in „sozialen” Netzen werben, um erfolgreich zu sein?

Ende Oktober 2012 erschien im Heise-Zeitschriftenverlag das c't-extra »Soziale Netze«. Ich empfehle es jedem, der sein Online-Werbekonzept überdenken oder neu planen will. Denn bisher habe ich nirgendwo in so kompakter und weitgehend verständlicher Form eine Zusammenfassung zu diesem Thema gefunden. Es beinhaltet auch Download-Links zu Video-Tutorials, in denen die Werbung in „sozialen Netzen” erklärt wird. Das Heft kann auch Online bestellt werden.
Als Heilpraktiker der Psychotherapie und Coach muss ich mit sehr kleinem Budget für meine Fortbildungsangebote und Therapie wirksame Werbung machen. Und mit meiner Mini-Werbeagentur IdeeCreativ engagiere ich mich für die Werbung meiner Berufskollegen. Aus meinen Erfahrungen und Berücksichtigung des o.g. Sonderheftes komme ich zu folgenden Ergebnissen:

Das Gute an den heutigen Werbemöglichkeiten im Internet ist, dass sie jedem zur Verfügung stehen, wenn er über das nötige technische Verständnis und einen Internetzugang nebst Hard- und Software verfügt. Und natürlich sollte er zusätzlich in der Lage sein, die Werbe-Inhalte passend zur Zielgruppe in attraktiver Weise zu formulieren und in ansprechender Weise zu präsentieren!

Bitte klicken Sie auf die Überschriften, um den zugehörigen Textabschnitt zu lesen!

Werbe-Inhalte für's Web selbst erstellen? Das geht oft schief!

Viele Selbstständige glauben, dass sie die Werbeinhalte mit Leichtigkeit selber texten und darstellen könnten. Denn sie seien doch am besten in der Lage, anderen zu erklären, was sie beruflich den ganzen Tag hindurch tun. Wenn ich dann aber solche „selbst gemachte” Werbung durchlese, sehe ich immer wieder die gleichen Fehler:

  1. Es wird umfassend über die eigene Leistung und Leistungsfähigkeit berichtet, über Methoden und Techniken. Aber es wird zu wenig über den konkreten Nutzen gesprochen, den der Klient oder Kunde bekommen kann. Außerdem wird der Klient / Kunde nur selten dort abgeholt, wo er (emotional) gerade ist: nämlich in Schwierigkeiten, bei deren Behebung er eine fachkundige Begleitung finden möchte.
  2. In meiner Werbeberatung stelle ich ziemlich zu Anfang bereits die Frage: „Bitte nennen Sie mir (mindestens) drei absolut überzeugende Gründe, warum ein Klient / Kunde ausgerechnet zu Ihnen gehen sollte statt zu ihrem Mitbewerber fünf Häuserblocks weiter!”
    Meist erhalte ich keine stichhaltige Antwort. Und genau so sehen dann Websites und Folder von vielen Heilpraktikern, Psychologischen Beratern, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten usw. auch aus: sie bieten keinen überzeugenden Grund für die Kunden, genau diesen Anbieter auszuwählen!
  3. Die Textmenge und deren Aufteilung oder die typografische Gestaltung sollte passend sein. Sogar eine inhaltlich stimmige Werbung kann erfolglos bleiben, wenn deren Darbietung eher abschreckt, als dazu einlädt, sich damit zu beschäftigen.

Technik der eigenen Website: Aufwand und KnowHow oft unterschätzt

Eine Website ist heutzutage ziemlich schnell zusammen geklickt und ins Internet gestellt. Aber schon die Frage nach der Praxis-/ Unternehmensbezeichnung und der folglich zu wählenden Internetadresse kann wirklich schwierig sein.
Steht die eigene Website endlich im Internet, dann muss man etwas dafür tun, damit sie von Interessenten gefunden wird. Von selbst geschieht das jedenfalls nicht! Da gibt es zunächst die „Suchmaschinen-Optimierung”, die für jede Seite Ihrer Website einzeln vorgenommen werden muss. Zum vorläufigen Abschluss legt man sich bei Google und Yahoo einen Benutzerzugang an und meldet die eigene Website an. Dazu erhält man einen kleinen Code, den man auf dem Server der Website speichert.
Zusätzlich sollte Ihre Website in alle kostenlos verfügbaren Web-Verzeichnisse eingetragen werden, so weit man von der Art des Webverzeichnisses erwarten kann, dass dort potenzielle Interessenten nach Angeboten suchen, wie man sie selbst anbietet. Es gibt eine unüberschaubare Zahl von Webverzeichnissen und man weiß nice im Voraus, wie viel ein Eintrag dort bringen kann. Daher ist in vielen Fällen ein kostenpflichtiger Eintrag in einem Webverzeichnis rausgeworfenes Geld. Lohnend können nur solche Anbieter sein, die sich auf die zu Ihrem Angebot passende Zielgruppe spezialisiert haben, wie z.B. der Seminaranzeiger oder Gesunder Mensch oder die Datenbank Theralupa.

Leider ist das nicht Alles: Denn bei jeder etwas fortschrittlicheren Website kommt meist ein CMS (= Content-Management-System) zu Einsatz, wie z.B. Wordpress, Joomla, Drupal, Typo3 usw. Der große Vorteil ist, dass nach der technischen und gestalterischen Einrichtung dieses CMS, sehr komfortable Eingabemöglichkeiten für Texte, Bilder und Videos verfügbar sind. Auch technisch weniger versierte Menschen können so ihre Website selbstständig aktuell halten, ergänzen und erweitern.
Mit dem technischen Aufwand steigt aber auch die Komplexität und somit auch meist die Fehleranfälligkeit. Immer wieder werden in solchen Projekten Fehler entdeckt, durch die Hacker den Server und die betreffende Website angreifen und manipulieren können. Und sobald ein solcher Fehler entdeckt wird, schreiben die Entwickler dieser CMS ein Update, welches dann schnellstmöglich installiert werden sollte, um die eigene Website vor Hacker-Angriffen zu schützen. (Hacker zerstören die Website nur selten; meist missbrauchen sie die gehackte Website, um den Besuchern Ihrer Website schädliche Software unterzujubeln!)

Wer also eine Webssite auch technisch selber betreibt, steht auch in der Pflicht, diese ständig technisch aktuell zu halten und alle verfügbaren Updates zu installieren.
Der Irrtum vieler Menschen besteht eben darin, dass nach abgeschlossener Installation der Website und dem Einstellen der Inhalte die Arbeit getan ist. Die ständige Pflege kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, besonders wenn man mehrere Websites, Blogs oder Foren betreibt.

Reicht die eigene Website nicht? Müssen es auch noch „soziale Netze” sein?

Ich beantworte diese Frage eher aus dem Gesichtspunkt, was man sich an Zeitaufwand und auch an finanziellem Aufwand leisten will! Die größte Werbewirkung erhalten Sie natürlich dann, wenn Ihr Name und Ihre Angebote wahrhaft „in aller Munde” sind. Wobei sich sofort die Frage stellt: „Was muss man dafür tun?”

Aktuell sind drei große „soziale Netze” besonders bekannt: Facebook, Google+ und Twitter. Alle drei leben aber nicht etwa davon, dass Sie von dort aus auf Ihre Website verlinken oder dass Sie dort ihre Werbung veröffentlichen können!
„Soziale Netze” leben grundsätzlich davon, dass sie von Ihnen Daten über sich selbst, Ihre Lebensgewohnheiten, Ihr Einkaufsverhalten, Ihr Einkommen, Ihre Hobbies, Ihren Freundeskreis, Ihren Beruf erhalten, um mit diesen Daten dann Ihnen und Ihrem Freundeskreis maßgenau Werbung liefern zu können. Die Schaltung dieser Werbung lassen diese „sozialen Netze” sich dann teuer bezahlen. Es handelt es sich also um nichts weiter, als ein raffiniertes Geschäftsmodell, das mit HighTech-Mitteln betrieben wird. Von „sozial” sehe ich dabei absolut nichts.

Das Wort „sozial” verleitet absichtlich zu der Annahme mitmenschlicher Verbundenheit in einer großen, starken Gemeinschaft. Dabei entsteht automatisch ein Gruppendruck, dass jeder dazu gehören will. Denn „nicht dazu zu gehören” bedeutet zugleich, ausgeschlossen zu sein aus einer Gemeinschaft. Und davor haben sehr viele Menschen Angst!
Noch übler ist das Ganze meiner Ansicht nach, weil die vielen Millionen Benutzer dieser „sozialen Netze” über dieses Geschäftsmodell nicht VOR ihrem Beitritt umfassend informiert werden!!! Deshalb würde ich diese Netze eher als „ASOZIALE NETZE” bezeichnen, denn sie nutzen letztlich das Vertrauen und den Glauben an „das Große Gute einer Gemeinschaft” und das Grundbedürfnis der Menschen nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft zu Profitzwecken aus!

Was heißt das alles nun für Sie, wenn Sie überlegen, dort Werbung für Ihre Angebote zu machen? Immerhin treffen Sie dort mit großer Wahrscheinlichkeit auf Interessenten für Ihre Angebote! Kann und darf man sich als verantwortungsbewusster Unternehmer diese Chance entgehen lassen?

Eigentlich nicht! — Aber es geht immer auch darum, was Sie dafür tun müssen, dass ein Werbeeffekt für Sie dabei heraus springt:
Und der kommt nur, indem Sie in den „sozialen Netzen” Kontakte knüpfen, über Alltagsdinge diskutieren und ab und zu (aber nicht zu oft) Ihren Beruf erwähnen. Wer sich von Ihren Beiträgen angesprochen fühlt, besucht dann vielleicht auch Ihre Profildaten und Ihre Website. Und vielleicht kommt dann auch mal eine Anfrage. Besser wäre es dabei, wenn Sie z.B. ab und zu einer kleinen Veranstaltung einladen würden, z.B. wenn Sie einen Vortrag halten usw.
Mit anderen Worten: Sie müssen ständig in den „sozialen Netzen” aktiv sein, immer wieder mit diskutieren oder von sich berichten. Und das kostet bei einem Ein-Mann-Unternehmen entsetzlich viel Zeit. Und Sie müssen sich (möglichst vorher) die Frage beantworten, wie viel von Ihrer eh schon knappen Freizeit Sie bereit sind, hierfür zu opfern! Christopher Lauer von der (eher internet-begeisterten) Piratenpartei hat sich im Februar 2013 aus genau diesen Gründen von Twitter „abgemeldet“, wie Telepolis hier berichtete.

Und wenn Sie wenig geneigt sind, viel von Ihrer kostbaren Freizeit für dieses Engagement zu opfern, müssten Sie womöglich einen „Ghostwriter” beauftragen, der für Sie schreibt und diese Kontakte pflegt. Naja… — wer sich's leisten kann!

Und welche der „sozialen Netze” sind am erfolgversprechendsten?

Facebook hat mittlerweile über 900 Millionen Benutzer. Google+ holt rasant auf, weil es (zumindest scheinbar) die Privatsphäre der Benutzer besser schützt und bringt es auf aktuell etwa 400 Millionen Benutzer. Google hat dabei den großen Vorteil, dass es über Google+ Benutzerzugänge bereits auf allen Android-Smartphones präsent ist und nur ein OK weiter ist der Benutzer bereits Mitglied / Benutzer. Ferner verfügt Google über viel tiefere Erfahrungen in der Vermarktung von Werbung, auch auf Mobilgeräten, als Facebook. Aber was bringen diese gigantischen Benutzerzahlen uns „kleinen Selbstständigen”? Wir brauchen den Zugang zu den Menschen vor Ort oder in vielleicht 100km bis 200km Umkreis.
Sowohl bei Google als auch bei Facebook lassen sich natürlich Benutzerkreise festlegen, mit denen man bevorzugt in Kontakt kommen möchte, sowohl vom Wohnort als auch von Interessenlagen, Hobbies usw. her. Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch die zurzeit noch sehr kleinen Netze wie z.B.: Wer kennt wen? welche deutschlandweit, aber durchaus auch lokal organisiert sind.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist das Suchmaschinen-Marketing zu Gunsten Ihrer Website in Verbindung mit „sozialen Netzen”. Je öfter in diesen Netzen zu Ihrer Website verlinkt wird, desto größer scheint für Suchmaschinen die Bedeutung Ihrer Website zu sein und um so besser die Position, wenn die entsprechenden Suchworte eingegeben werden.
Bezüglich Google vertreten mittlerweile viele Spezialisten die Meinung, dass Websites besser im Google-Ranking dastehen, wenn man den Google "+1"-Button auf allen Webseiten anzeigen lässt. Nachweisbar ist dieser Zusammenhang momentan nicht. Aber es hätte schon einen miesen Beigeschmack!
Generell nützt es wohl eher, auf der eigenen Website die Google "+1" oder Facebook "I like" und Twitter-Buttons anzubringen. Allerdings bläht dies den Code Ihrer Website auf und aus normaler Weise 4 Serveranfragen (HTTP-Requests) werden bei Einbindung des Facebook-Buttons über 40 solcher Requests. Der Aufbau Ihrer Website im Browser eines Interessenten kann sich dadurch um mehrere Sekunden verlangsamen!
Meiner Ansicht nach zahlen sich diese Buttons nur dann wirklich für Sie aus, wenn Sie bei den jeweiligen Netzen auch als Nutzer registriert und aktiv sind.

Auch Google ist mit seinem Google+ äußerst aktiv und holt zurzeit gegenüber Facebook massiv auf. Google+ gibt sich insgesamt seriöser und verfügt über wniger Funktionen als Facebook. Demgegenüber ist Google seit seiner Gründung in extremer Weise mit der Werbewirtschaft verbunden und erwirtschaftet darüber den überwiegenden Teil seiner Umsätze und Gewinne! Folglich ist die Problematik bei Google gleich mit der bei Facebook.

Es lässt sich insgesamt kaum abschätzen, in welchem „sozialen Netz” für Ihre Werbeaktivität die größeren Erfolgsaussichten bestehen. Sicher ist jedoch, dass Sie dauerhaft und täglich erhebliche Zeit investieren müssen, um einen deutlichen Nutzen zu erhalten.

Ihr eigener Blog, Ihr eigenes Forum, Ihr eigenes Soziales Netz, Videos… usw.

Warum nicht? Der große Vorteil ist dabei, dass Sie hierbei völlig unabhängig sind von irgendwelchen Vorgaben der großen Konzerne und deren Interessen an Datensammelei und Werbung. Wenn Sie sowieso schon eine eigene Website mit einem CMS betreiben, dann lässt sich dieses CMS mit Sicherheit um ein Diskussionsforum erweitern. Bieten Sie dort Diskussionen um spezielle Themen an, die in Bezug zu Ihrem Beruf stehen an oder aber zu einem ausgefallenen Hobby, das Sie pflegen!

Oder schreiben Sie in einem Blog über Ihre Erlebnisse in einem bestimmten Lebensbereich oder in einem bestimmten Berufsfeld. Vielleicht veröffentlichen Sie neueste Erkenntnisse in einem Forschungsbereich, der mit Ihrem Beruf zu tun hat? Zu jedem CMS lassen sich Blog-Module installieren. Wordpress besteht eigentlich ganz und gar aus einer Blog-Software.

Ein eigenes Soziales Netz? Warum nicht? Im eingangs beschriebenen Heft c't extra finden Sie ab Seite 116 eine Anleitung, wie Sie auf Grundlage von Wordpress und mit der Ergänzung BuddyPress ein eigenes Netz aufbauen können! Hierfür gibt es auch eine deutsche Anleitung.

Wenn Sie sich mit Videos auskennen, in Videos als Selbsdarsteller humorvoll und attraktiv herüber kommen, dann könnten Videos für Sie eine Chance sein: Laden Sie über Ihr Google+ -Konto bei YouTube selbst erstellte Videos hoch und begründen dort einen kleinen Fanclub. Zudem können Sie diese Videos leicht auf Ihrer Website verlinken oder komplett dort abspielbar machen.

Allerdings warne ich wieder mit dem Hinweis: Solch ein Engagement kostet bei einem Ein-Mann-Unternehmen viel Zeit. Zudem müssten Sie sich in all den hierbei berührten Fachgebieten gut auskennen, über entsprechende Hard- und Software verfügen und diese auch bedienen können, und und und… — Und Sie müssen sich (möglichst vorher) die Frage beantworten, wie viel von Ihrer eh schon knappen Freizeit Sie bereit sind, hierfür zu opfern!

Noch eine Alternative: Die Realität und die konkrete Begegnung mit Menschen!

Wie Sie auf meiner eigenen Website sehen, habe ich mich bisher dazu entschieden, in keinem einzigen „sozialen Netz” aktiv zu sein! Meine Lebenszeit ist mir einfach zu schade dafür. Statt dessen möchte ich lieber nicht virtuell im Internet, sondern ganz konkret mit Menschen zusammen treffen, möchte fühlen und mitfühlen. Diese Lebendigkeit bietet mir das Internet einfach nicht!

Konkret gebe ich Kurse und Fortbildungen, auch an Volkshochschulen. Zusätzlich halte ich Vorträge, die immer auch Diskussionen beinhalten und den Teilnehmern Humor und Lebendigkeit bringen. Der direkte Kontakt zu Interessenten und die Gelegenheit für potenzielle Interessenten, mich persönlich unverbindlich und in lockerer Atmosphäre kennen zu lernen, führt zu persönlichen Empfehlungen im Bekanntenkreis und zu immer mehr Bekanntheit.
Ich empfinde diese Aktivitäten viel erfreulicher, als einsam und allein stundenlang zu Hause vor dem PC zu sitzen und zu chatten oder sich virtuell in „sozialen Netzen” zu verstricken, die wohl kaum die Bezeichnung „sozial” verdient haben!