Der Gesetzgeber und die zuständigen Aufsichtsbehörden haben in Bezug auf den zulässigen Tätigkeitsumfang des Heilpraktikers für Psychotherapie ebenso die Absicht der Gefährdungsvermeidung zu Grunde gelegt, wie beim Psychologischen Berater. Grundlage sind dabei das Heilpraktikergesetz (HPG) und das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) sowie einschlägige Verordnungen (auch der Länder) und die laufende Rechtsprechung. Daher lohnt es sich, auch die Situationen zu betrachten, in denen der Heilpraktiker für Psychotherapie seine Klienten an ärztliche oder therapeutische Kollegen verweisen muss:

Bitte beachten Sie, dass meine Ausführungen hier keinesfalls im Sinne einer (nicht zulässigen) Rechtsberatung zu sehen sind!
(Im Folgenden steht die Abkürzung »HPP« für „Heilpraktiker für Psychotherapie”.)

  1. Der HPP darf unter Beachtung der nachfolgenden Punkte alle psychischen und psychosomatischen Störungen behandeln, vorausgesetzt, er beachtet seine Sorgfaltspflicht gemäß BGB, was bedeutet, dass seine Fachkenntnisse und Möglichkeiten ausreichen müssen, die beabsichtigte Heilbehandlung fachgemäß durchzuführen. Psychosomatische Störungen darf er nur in Zusammenarbeit mit einem Arzt durchführen, um sicher zu stellen, dass eventuell ebenfalls vorhandene, rein somatische Probleme unverzüglich fachgemäß behandelt werden (gemäß Punkt 3 und 4).
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  2. Der HPP darf durch seine Werbung oder im Rahmen seiner Behandlungsmaßnahmen nicht darauf hin wirken, dass eine notwendige ärztliche oder psychiatrische Behandlung herausgezögert, vernachlässigt oder unterlassen wird.
    Was als „notwendige ärztliche oder psychiatrische Behandlung” angesehen wird, ergibt sich aus der „allgemein anerkannten medizinischen Ansicht”, die sich z.B. in den Behandlungsrichtlinien (Leitlinien) für Psychotherapie und Psychiatrie zeigt und oft auch als „lege artis” (= nach den Regeln der Kunst) bezeichnet wird. (Siehe hierzu die Wikipedia zu „lege artis” und zu „Medizinische Leitlinien” sowie die Praxisleitlinien der DGPPN.)
    Das „lege artis”-Prinzip ergibt sich logisch als Weiterentwicklung des Rechtsgrundsatzes für alle Heilberufe des „Nicht-schaden-dürfen” (= non nocere) und ist somit nicht als Einschränkung der Methodenfreiheit der Heilpraktiker zu betrachten, sondern eher als eine Grundlage für professionelle, verantwortungsbewusste Arbeit.
    Je weiter also sich der HPP von der „lege artis”-Behandlung entfernt und zugleich keinen ärztlichen Kollegen zur ergänzenden Behandlung heranzieht, um so größer wird das Haftungsrisiko des HPP. Eine trennscharfe Vorgabe existiert folglich nicht.
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  3. Der HPP muss (gemäß § 1 Abs.3 des Psychotherapeutengesetz: „Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen.”) dafür Sorge tragen, dass bei Vorliegen von körperlichen Symptomen eine diagnostisch ausreichend qualifizierte (lege-artis gemäße) ärztliche oder naturheilpraktische Abklärung erfolgt und er die Heilbehandlung mit dem Klienten erst dann beginnt oder fortsetzt, wenn diese Abklärung erfolgt ist und diese ergeben hat, dass dem Beginn oder dem Fortsetzen der Behandlung durch den HPP nichts im Wege steht.
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  4. Der HPP darf psychische Störungen nur dann behandeln, wenn diese keine organischen (insbesondere hirnorganische, endokrinologische, infektiöse) Ursachen haben und das Vorliegen solcher Ursachen durch gründliche ärztliche Untersuchung ausgeschlossen wurde. Jedoch darf der HPP solche Patienten bei dem Umgang mit ihrer Krankheit und bei ihrer konstruktiven Alltagsgestaltung therapeutisch begleiten.
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  5. Der HPP darf Patienten mit substanzgebundenen Süchten (z.B. Alkohol, Drogen, Medikamente) und andere Erkrankungen, die sich körperlich stark auswirken (z.B. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa usw.) nur begleitend zu einer ärztlichen Behandlung psychologisch unterstützen und bei ihrer konstruktiven Alltagsgestaltung therapeutisch begleiten.
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  6. Der HPP darf bei Vorliegen von körperlichen Symptomen die Heilbehandlung nur beginnen oder fortsetzen, sofern parallel zu seiner Heiltätigkeit eine weitere, diagnostisch ausreichend qualifizierte (lege-artis gemäße) ärztliche oder naturheilkundliche Beobachtung der körperlichen Symptome sicher gestellt ist, besonders sobald sich die Symptome verändern.
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  7. Der HPP darf eine Heilbehandlung bei gleichzeitiger Betreuung des Patienten durch ärztliche Kollegen nur durchführen, wenn er sicher stellt, dass seine Methoden, Verfahren und Settings nicht mit denen der ärztlichen Kollegen in Konflikt stehen. Im Zweifel hat grundsätzlich der ärztliche Kollege Vorrang.

  8. Der HPP darf keine Heilbehandlung durchführen, wenn sein Klient bereits von einem approbierten Psychotherapeuten behandelt wird. Diese Vorgabe ergibt sich bereits daraus, dass eine Abstimmung der Therapie erfolgen müsste und Wechselwirkungen zwischen beiden Therapien potenziell nachteilig oder gar schädigend für den Klienten sein können.
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  9. Der HPP ist unabhängig von den vorstehenden Punkten dazu verpflichtet, seine Behandlungsmaßnahmen einzustellen und eine Einweisung in die geschlossene Abteilung eines Krankenhauses zu veranlassen, wenn Selbst- oder Fremdgefährdung besteht oder begründet absehbar ist. (Dazu bedarf es zusätzlich eines richterlichen Einweisungsbeschluss.)
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  10. Der HPP darf keine Ferndiagnosen und Fernheilungen durchführen sowie seine Dienste nicht „im Umherziehen” anbieten und benötigt daher einen festen Praxissitz. In diesem Zusammenhang ist es evtl. bereits unerlaubt, Therapie über Telefon oder Internet (Foren / eMail) anzubieten!

Bisher sind mir keine Gerichtsurteile bekannt, in denen im Sinne der laufenden Rechtsprechung die Grenzen des erlaubten Tätigkeitsfeldes eines HPP genauer definiert werden. Wenn Sie meine Ausführungen kommentieren oder ergänzen möchten, schreiben Sie mir bitte eine eMail!

Gerne würde ich nun auch die Begrenzungen in Sachen Außendarstellung / Werbung darstellen, so wie ich dies auch bei meinem Beitrag über die Möglichkeiten des Psychologischen Beraters getan habe. Da hier aber mehr als vier verschiedene Gesetze ineinander greifen, würde dies viel zu umfangreich. Zudem würde man mir dann womöglich unerlaubte Rechtsberatung unterstellen. Einige wichtige Punkte habe ich aber für Sie in meinem Beitrag „Gesetzliche Grenzen für Ihre Werbung” zusammen gestellt.

Wenn Sie Ihre Werbung selbst erstellen wollen, müssen Sie besonders das Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens (HWG) und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) beachten und anschließend Ihre Texte rechtlich überprüfen lassen!

In meinem Seminarangebot werden die hier angesprochenen Themen und viele weitere Fragen geklärt.